LYRIK

Die zentrale Aufgabe des Englischunterrichts ist die Erweiterung der Kommunikations- und Handlungsfähigkeit. Um diese zu erreichen, wird ein ganzheitlicher Ansatz favorisiert, der die Bereitstellung komplexer Lehr- und Lernsituationen voraussetzt.

Für die unterrichtliche Behandlung von Lyrik bedeutet dies, dass sich der Unterricht nicht auf die isolierte Erschließung einzelner Gedichte beschränken darf, die in Inhalt und Form unverbunden nebeneinanderstehen. Die Behandlung eines "Zyklus unter thematischer Grundkonzeption" ist unabdingbar.

Für den Unterricht muss es darum gehen, bei den SchülerInnen ein Interesse für diese Textform zu wecken. Dies erscheint nur dann möglich, wenn von dem tradierten Gedichtverständnis, das die handwerkliche und poetologische Machart in den Vordergrund stellt, Abstand genommen wird.

Werden Gedichte nur als Grundlage und Transportmedium für eine intensive Auseinandersetzung mit Reim- und Versschemata, Strophen- und Gedichtformen oder Dichtungstraditionen mit ihren Konventionen in Motiven und Bildwahl genutzt, bleiben zentrale Anliegen des Rahmenplans unberücksichtigt und der Motivationsgrad der SchülerInnen wahrscheinlich gering.

Gedichte müssen als das genommen werden, was sie schon immer gewesen sind:
Erfahrungsaussprache und Erfahrungsgestaltung in meist besonders dicht strukturierter Sprache, die auf dem Hintergrund seines eigenen historisch aktuellen und sprachlich strukturierten Kommunikationshorizontes vom Leser verarbeitet wird.

Für die Analyse, Deutung und Erfahrung von Gedichten erscheinen drei Aspekte wesentlich:

Grammatikalität, Polyfunktionalität, Fiktionalität.

Grammatikalität: Der Lehrer und letztendlich der Schüler muss über eine differenzierte Kenntnis eines bestimmten Regel- und Begriffsinventars verfügen, d.h. die Möglichkeit einer genauen textnahen Sachanalyse eines Gedichtes gründet sich in der heuristischen Verfügbarkeit textgrammatischer Konzepte beim Rezipienten.

Polyfunktionalität: Eine isolierte Analyse und Deutung etwa von Rhythmus und Metrum reicht nicht aus, da sie den Zugang zum einzelnen Gedicht als individuelle Aussprache und Gestaltung von Erfahrung verstellt. Es müssen deshalb alle in den sprachlichen Zeichen angelegten Möglichkeiten zum Ausdruck von Bedeutung untersucht werden, der Rückbezug des Textes auf die zentralen alltagssprachlichen Ebenen des Lautzeichens, Schriftzeichens, des Lexikons, der Satzsyntax und der Textsyntax in nichtfiktionaler Redeweise sowie die Integration der durch die genannten sprachformalen Möglichkeiten ausgedrückten Bedeutungen in die jeweilige Leseweise des Ganzen ist notwendig.

Fiktionalität: Ein Gedichttext ist generell von pragmatisch festgelegten, einmaligen Kommunikationssituationen unabhängig. Gedichte können nur indirekt und exemplarisch - vermittelt über die generelle Selbst- und Welterfahrung des individuellen, historisch wie sozial bestimmbaren Lesers - Bezug auf die tatsächliche oder eine vorgestellte Welt nehmen.

Unterrichtspraktisch gesehen ergeben sich (für den Lehrer) u.a. folgende Möglichkeiten:


Bibliographie

Günther, Peter. "Anglo-amerikanische Großstadtlyrik im Englischunterricht der Sekundarstufe II." DNS 79/6, 1980, 604-618.

Oltmann, K. "Englische Lyrik auf der Oberstufe." DNS 15, 1966, 577-593.

Schulte-Sasse, J., W. Karrer und G. Behse. "Theorie literarischer Texte und Methoden des Zugangs." In: G. Böing (Hg.), 1973, 391-417.

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